Heinrich-Barth-Haus (Agadez / Niger)

Nachruf:

Leider verstarb Anfang Juli 2007 der Eigentümer des Heinrich-Barth-Hauses in Agadez.

Agadez und der Barth-Raum

Unter den Eindrücken, die Julia Winckler von ihrer Reise nach Westafrika schildert, findet sich auch die Schilderung eines Besuches des Heinrich-Barth-Hauses in Agadez (Niger).

Heinrich-Barth-Haus in Agadez, Niger
Das Haus, in dem Heinrich Barth 1850 in Agadez wohnte, mit der Plakette an der Hauswand und der mit einem Vorhängeschloss gesicherten Holztür.
(Foto: Julia Winckler)

1850 schreibt Heinrich Barth sehr zufrieden über seinen Besuch in Agadez und rät jedem Reisenden, länger an diesem Ort zu bleiben, an dem man so viele wertvolle und interessante Informationen erhalten könne.

Während meines kurzen Aufenthaltes in Agadez machte ich es mir zur Aufgabe, den Barth-Raum detailliert fotografisch zu dokumentieren und Barths Spuren innerhalb der Stadt so weit wie möglich zu verfolgen. Bei meinen Recherchen half mir Adou, ein Uhrmacher aus Agadez, als Führer und Übersetzer. Er führte mich zu einem "family compound", einem zum Viereck angeordneten Block von ebenerdigen Lehmhäusern, die sich nur zu einem gemeinsamen größeren Innenhof hin öffnen, von dem aus man auch Zutritt zum Barth-Raum hat. Der einzige offizielle Hinweis darauf, dass Barth hier im Jahre 1850 vorübergehend gewohnt hat, ist eine Plakette neben der kleinen Eingangstür an der äußeren Hauswand, die vor einigen Jahren von der deutschen Botschaft angebracht worden ist. Es gibt keine wegweisenden Straßenschilder, und so ist es in der Tat recht schwierig, das Haus zu finden.

Im Innenhof wurden wir von dem alten Wächter begrüßt und zu einer mit einem Vorhängeschloss gesicherten Holztür geführt. Wie uns der Mann erklärte, hatte man dieses Schloss erst vor kurzem angebracht, nachdem bei einem Diebstahl mehrere alte Säbel abhanden gekommen waren. Wir traten in einen kleinen, rechteckigen Raum, der neben einem alten Tuaregbett und drei abgewetzten Schrankkoffern eine Vielzahl von interessanten Objekten enthielt: Speere, einen sorgfälitg gearbeiteten und reich verzierten Sattel, Pferdegeschirr, Weihrauchgefäße, Tontöpfe und alte Teppiche. An den Wänden hingen in verstaubten Plastikrahmen einige fotokopierte Seiten aus der deutschen Ausgabe von Barths Buch "Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika". Ich fragte, ob die ausgestellten Gegenstände wirklich authentisch seien, und sowohl der Wärter als auch Adou versicherten, sie seien alle gleich bedeutend und wichtig.

Später hörte ich gerüchtweise, dass ein früherer Bürgermeister vor ungefähr 20 Jahren diesen Barth-Raum als Touristenattraktion eingerichtet habe, und es nicht zuverlässig verbürgt sei, dass die präsentierten Objekte tatsächlich Barth gehört haben. Ich versuchte auch, den Besitzer dieses Anwesens zu treffen; er hatte am Telefon versprochen, mir einige Originaldokumente zu zeigen, die aus Sicherheitsgründen nicht in dem Barth-Raum aufgehoben würden. Leider kam aber dieses Treffen nicht zustande.

Auf den Spuren von Barth besuchte ich in den nächsten Tagen die Märkte der Stadt und die zentrale Moschee in der Nähe des Sultanats. Hierzu benötigte ich die Erlaubnis des Sultans von Agadez, eines stattlichen, elegant aussehenden Mannes. Er gestattete mir, bis zur Spitze des Minaretts zu steigen, von wo ich einen weiten Blick über die Stadt hatte. Barth selber hatte seinerzeit das Minarett wegen Bauschäden nicht besteigen können, wie er enttäuscht in seinem Tagebuch vermerkte.

(Quelle: Julia Winckler: Auf den Spuren von Heinrich Barth im Niger. In: Heinrich Barth Kurier, 1/06, S. 22 ff. (Auszug))